Krampfanfälle und Krankenhaus – wie wir uns unsere Ferien im Oman nicht vorgestellt hatten

Es war eine Weile ruhig hier auf dem Blog. Das hatte einen guten Grund. Denn manchmal passieren Dinge im Leben, die nicht vorgesehen waren. Dinge, die dich deine Prioritäten überdenken lassen. Dinge, bei denen du nur selten an deinen Blog und Social Media denken kannst. Nun haben wir endlich wieder ein wenig Ruhe gefunden. Nun bin ich bereit, über das Erlebte zu schreiben.

Anfang März waren wir eine Woche im Oman. Wir hatten ein tolles Hotel gebucht, das Shangri La Al Waha in der Nähe von Muskat. Nein, günstig war es nicht. Wir wollten uns etwas gönnen. Uns endlich ein wenig erholen, vom ganzen Stress mit zwei dauerkranken Kindern (und ach, Mama stürzte noch eine Woche vor Abflug die Treppe hinunter und riss sich dabei die Bänder).

Doch das Leben hatte andere Pläne für uns. Nach einem einigermassen entspannten Nachtflug kamen wir in unserem Hotel an und waren durch und durch zufrieden. Wunderbare Pools, tolle Zimmer, sehr zuvorkommendes Personal (am Pool gibt es tatsächlich einen Sonnenbrillenputzer) und ein wunderschöner Strand – irgendwie alles etwas entspannter als vor einem Jahr in Lanzarote. Wir wussten, dass wir uns hier sehr wohl fühlen würden.

Falsch gedacht.

3 Krampfanfälle innerhalb von 10 Stunden

Am zweiten Tag unserer Ferien, begann sich der Babybruder zu erbrechen. Und zu erbrechen. Und zu erbrechen. Zwei Tage später glaubten wir, den Babybruder dank Elektrolytenlösung einigermassen hydriert und das Gröbste überstanden zu haben. Doch als ich kurz im Bad war, passierte es: „Komm schnell, der Babybruder macht etwas sehr Komisches“, rief der Papa. Ich kam und sah, wie mein Kind die Augen verdrehte und am ganzen Körper zitterte. Unser erster Gedanke: Fieberkrampf! Ich hielt meinen Sohn ganz fest in den Armen, zum Glück hörte der Anfall bald auf. Wir riefen den Hotelarzt. Dieser vermutete ebenfalls einen Fieberkrampf, riet uns jedoch ins Spital zu gehen, weil der Kleine zudem dehydriert sei und Flüssigkeit bräuchte.

Und so ging es per Taxi in eine Klinik von NMC Healtcare. Dort angekommen, nahmen die indischen Ärzte (ja, im Oman scheint es ausschliesslich indische Ärzte und Pflegepersonal zu geben) dem Babybruder Blut und legten ihm eine Infusion. Wir sollten einige Stunden bleiben, bis der Babybruder wieder ein wenig hydriert war und Wasser behalten konnte. Doch als ich gegen 14 Uhr versuchte, dem Babybruder Wasser zu geben, passierte es wieder. In meinen Augen wurde der Babybruder steif und verdrehte die Augen: „Bitte helfen Sie mir, er hat wieder einen Anfall“, rief ich. Das Personal war sofort da, gab dem Kleinen Sauerstoff und beendete den Anfall mit Diazepam. Während ich den ersten Anfall noch einigermassen gefasst aufgenommen hatte, schossen mir beim zweiten die Tränen in die Augen.

Wieder warteten wir. Wieder hiess es, wir sollten uns keine Sorgen machen, wahrscheinlich sei es ein Fieberkrampf ohne Fieber. Gegen Abend liess der Arzt den Papa dann erneut antanzen. Ja, im Oman scheint man die Diagnose ausschliesslich den Vätern zu kommunizieren und weitere Entscheidungen treffen. Das fand ich so gar nicht toll. Er riet uns, zur Sicherheit in ein grösseres Spital zu fahren und dort den Babybruder einem Neurologen zu zeigen. Sie organisierten ein Auto und schickten einen Krankenschwester mit. Inzwischen war 19 Uhr.

Ich nahm den Babybruder ins Tragetuch. Kindersitze gab es im Auto natürlich nicht. Der Babybruder war guter Laune, schaute sich um, freute sich über die vielen Lichter und Autos. Und dann passierte es wieder. Ich hörte kein „dada“ mehr und spürte, wie der Babybruder an meinem Körper steif wurde. „Bitte fahren Sie schneller, er hat wieder einen Anfall“, sagte ich. Zum Glück waren wir schon in der Nähe des Badr al Samaa Hospitals in Ruwi. Doch dann ging die Barriere zum Notfall nicht hoch. Ich stieg aus dem Auto und rannte mit meinem blauen steifen Kind in die Notaufnahme.

Wie wir die Krankenhäuser im Oman erlebten

Dort begann er dann zu zittern. Erneut bekam er Diazepam und Sauerstoff und ich brach weinend am Bettchen zusammen. Ich dachte mir: „Das war es jetzt. Ich überlebe mein Kind. Es darf doch nicht sein, dass er nur 16 Monate alt wurde.“ Nach dem dritten Anfall innerhalb von 10 Stunden, war es für die Ärzte klar: Der Babybruder brauchte weitere Untersuchungen und müsste 24 Stunden zur Beobachtung im Krankenhaus bleiben.

Er musste für das MRI sediert werden. Und ich war weiter einfach nur in Tränen aufgelöst. Was, wenn etwas mit dem Gehirn meines Babys nicht stimmte? Ein Tumor oder ähnliches die Anfälle auslöste. Etwas später folgte die teilweise Entwarnung: Prinzipiell sei alles gut, man habe da aber kleine Auffälligkeiten gefunden…

Und so wurden wir im Spital aufgenommen. Gegen Vorauskasse versteht sich. Immer gegen Vorauskasse. Bezahlt vom Papa (Frauen haben im Oman offenbar andere Aufgaben…). Und so verbrachte ich die erste Nacht im Spital mit dem Babybruder. Es war in Ordnung. Prinzipiell ist die Gesundheitsversorgung im Oman sehr gut. Das Zimmer war sauber. Allerdings war nichts auf Kinder ausgerichtet. Wir schliefen gemeinsam in einem Krankenhausbett. Es gab weder Windeln noch Ersatzkleidung für den Babybruder. Und für die Begleitung gab es auch nichts. Keine Duschtücher, kein Essen, keine Kantine. Wobei letzteres stimmt nicht ganz. Eine Nachtschwester liess sich von meinem Gejammer erweichen und bestellte mir bei einem Lieferdienst Essen aufs Zimmer.

Mittag- und Abendessen…

War ich froh, als der Papa und Klein C. uns am nächsten Morgen Wechselkleidung und Essen mitbrachten. Auch die Vorstellungen des Spitals, was ein Baby mit Magendarmgrippe essen sollte, war etwas konfus. Zwei Scheiben Toastbrot und eine grosse Schüssel Milch wurde uns jeweils zu den Mahlzeiten gebracht. Obwohl ich mitgeteilt hatte, dass der Babybruder keine Milch verträgt.

Am Nachmittag schickte mich der Papa ins Hotel. Auch, damit Klein C. so viel Alltag wie möglich hätte. Er wollte mit dem Babybruder warten, bis die Ärzte das EEG gemachten hatten. Das EEG war normal, der Babybruder bekam inzwischen ein Antiepileptikum. Doch dann erbrach sie der Babybruder erneut. Natürlich mehrere Male. Er musste wieder an die Infusion und wir mussten eine weitere Nacht im Spital bleiben. Dieses Mal blieb der Papa bei ihm, was das Weltbild des indischen Pflegepersonals erschütterte („Where’s mother?!“).

Einen Tag später durfte der Babybruder dann endlich zurück ins Hotel. Nach wie vor bekam er Medikamente, ein Notfallmedikament bekam er jedoch nicht. Wir sollte einfach fliegen, hiess es. Und das taten wir dann auch. Wir versuchten, unseren letzten Tag im wirklich tollen Hotel zu geniessen. Waren aber natürlich unglaublich gestresst. Versuchten noch eine Drittmeinung zum Thema Fliegen via Rega einzuholen, blitzten dort aber schrecklich ab (vielleicht später mehr dazu..).

Und wie geht es nun weiter?

Wir hatten Glück: Wir kamen gut nach Hause und ich konnte noch am gleichen Abend Diazepam holen. Im Kinderspital Zürich dann die vorübergehende Entwarnung. Man vermutet prinzipiell einen komplizierten Fieberkrampf. Wir konnten das Medikament, das der Babybruder so gar nicht vertrug, langsam absetzen.

Daran sind wir nun. Wir müssen beobachten und hoffen, er krampft nicht wieder. In einem Monat müssen wir uns erneut auf der Neuropädiatrie vorstellen und ein weiteres EEG machen. Heute geht der Kleine zum ersten Mal in die Krippe und ich wieder arbeiten. Ich gebe es zu, ich habe kein sehr gutes Gefühl dabei. Aber ich habe Vertrauen ins Kita-Personal, weiss, dass ein Krampfanfall meistens nicht gefährlich ist und versuche, positiv in die Zukunft zu schauen. Auch wenn wir uns im Oman nicht erholen konnten, ist eines sicher: Diese Erfahrung hat uns stärker gemacht und uns als Familie zusammengeschweisst.




Deborah

2 Comments

  1. Antworten

    Kata

    24. März 2019

    Hallo, ich kann dir sehr gut nachfühlen wie es dir jetzt gehen muss. Den ersten Krampfanfall hatte unsere damals 3 Jährige Tochter in Spanien im Urlaub, und niemand hat mit uns gesprochen… Sie übergab sich nach Diazepam- gabe (was wie ich inzwischen weiß normal ist, die ersten Stunden nach Diazepam am besten nur stilles Wasser geben. Es ist bekannt das es Übelkeit und Erbrechen hervor rufen kann). Nach 12 Stunden sagte man uns das man sie wegen dem Erbrechen dort behalten wollte, was wir aber nicht gemacht haben da wir alle im verschieben Medizinischen Bereichen arbeiten (4 Erwachsene). Es lief auch Gott sei dank alles gut. Das sie Epilepsie hat, das wissen wir inzwischen, aber die Chancen, das es sich verwächst, stehen sehr gut. Wir haben ihr gesagt sie hatte ein Gewitter im Kopf und mit dieser Erklärung kann sie bis heute gut umgehen. Die Medikamente die sie morgens und abends nehmen muss verträgt sie gut und auch sonst hat sie kaum bzw. gar keine Einschränkungen. Das du ein schlechtes Gefühl hast ist absolut verständlich, aber ich persönlich finde es wichtig das die Kinder ihr Leben so normal wie möglich weiterleben können, und das ist nur möglich wenn wir Eltern entspannt bleiben (auch wenn manchmal es sehr schwer fällt, ich konnte bestimmt einen Monat nicht durchschlafen und hab immer wieder nach ihr geschaut…) Ich wünsche euch für die Zukunft viel Kraft, Ausdauer, Glück und viele schöne Stunden… Lg

    • Antworten

      Deborah Lacourrege

      1. April 2019

      „Gewitter im Kopf“ – was für ein wunderschöner Ausdruck.

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